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Der sagenhafte Domitian
Eine sehr bekannte, aus dem späten Mittelalter überlieferte
Sage bringt das Zusammenschrumpfen des einst viel größeren Millstätter
Sees mit einem Herzog Domitian in Verbindung, der in Millstatt als legendärer
Gründer des Ortes unvergessen geblieben ist. Als der See, noch bis auf
den Kalvarienberg bei Millstatt und bis zum Glanz bei Döbriach reichte,
stand laut Sage mitten auf dem bewaldeten Seerücken, auf dem Hochgosch,
dem gegenwärtigen Millstatt gegenüber, eine Burg, deren spärliche
Überreste noch im Waldesdunkel zu finden sind. Dort lebte im 8. Jahrhundert
ein heidnischer Herzog der Karantanen, wie man damals die Bewohner Kärntens
nannte. Jener karantanische Herzog hieß Domitian. Er besaß einen
Sohn gleichen Namens, der sehr unfolgsam war. Wieder einmal wollte der Junge
eine Fahrt über den See wagen. Der Herzog aber warnte ihn davor, weil der
Tauemwind heftig vorn Gebirge niederbrauste und den See ziemlich arg aufwühlte.
Der starrköpfige Sohn ließ sich aber von seinem Vorhaben nicht abbringen,
bestieg ein Boot und ruderte auf den See hinaus. Nun aber wurde der Wind noch
stürmischer. Das Boot schaukelte immer mehr und kippte schließlich
um. Weil Herzog Domitian am nächsten Morgen ein menschenleeres Boot auf
dem Wasser treiben sah, wußte er, warum sein Sohn noch nicht heimgekommen
war. Da er den einzigen Sohn sehr liebte, gelobte er, den See abzuleiten, dort
eine Kirche zu erbauen, wo der Sohn gefunden werde und sich selbst zum Christentum
zu bekehren. Sogleich wurden die Bauern der ganzen Umgebung verständigt,
mit Schaufeln und Pickel zu kommen, Im Westen gruben sie jenen Hügel ab,
der den See von der Lieser trennte. Immer tiefer sank das Wasser, und in wenigen
Tagen fand man den toten Sohn des Herzogs auf jener sanften Lehne, wo jetzt
Millstatt liegt. Sofort löste Domitian sein Gelübde ein. Er ließ
sich taufen und gab dem Sohn ein christliches Begräbnis. Vor seinem Grabe
aber ließ er die erste christliche Kirche dieser Gegend bauen.

Statue des Domitian in Millstatt
Weil um den See noch vielen Götzen Statuen standen, welche die heidnischen Bewohner des Tales verehrten, ließ er diese in den See werfen. Den Ort aber, der sich nach und nach um seine Kirche entwickelt, nannte er Mille Statuae - nach den etwa 1000 Statuen, die über seine Anordnung im Wasser verschwanden. Wurde früher der Name "Millstatt" erklärt, bevor Etymologen die "Stätte an der Mils" entdeckten. Domitian selbst soll in der von ihm erbauten Kapelle begraben worden sein. Man zeigt in der Domitiankapelle neben der Millstätter Stiftskirche sogar sein Grabmal und einige seiner Reliquien. - Ob es mit dem sagenhaftes Domitian irgendwelchen historischen Zusammenhang gibt, konnte bislang noch nicht erforscht werden. Aber noch immer wird in der Kapelle zu Ehren Domitians Anfang Februar eine Andacht gehalten. Als einmal ein Pfarrer diese Andacht unterließ, sank die Kirche ein Meter tief in die Erde, nur der Altar blieb an seinem alten Platz stehen. Darum muß man beim Betreten der Millstätter Stiftskirche etliche Stufen hinabsteigen.
Aus "Matthias Maierbrugger - Urlaub am Millstätter See", Verlag Johannes Heyn Klagenfurt 1977.